Wenn das Arbeitsklima systematisch vergiftet wird
Das Wort „toxisch“ wird heutzutage häufig in einem Zug mit schlechten Chef:innen genannt. Bist du als Führungskraft eventuell auch „toxisch“? Was bedeutet es wirklich, toxisch zu sein und wie kannst du als Chef:in sicherstellen, dass du nicht zum Alptraum deiner Mitarbeitenden wirst? Mache hier den Check.
Führst du „toxisch“?
„Toxisch“ bedeutet nicht einfach nur, dass du mal einen schlechten Tag hast. Toxische Führungskräfte sind diejenigen, die systematisch das Arbeitsklima vergiften. Das zeigt sich z.B. durch Mikromanagement, Manipulation, Fehlinformation und das gezielte Untergraben von Mitarbeitermotivation. Mitarbeitende werden dabei bewusst eingeschüchtert oder blossgestellt. Das Ergebnis: Vermehrt Stress für die Beteiligten, mangelhafte Zusammenarbeit, und eine schlechtere Leistung des gesamten Teams.
Bist du allenfalls als Chef:in noch ungeübt und daher ungeschickt, aber dennoch an guten Arbeitsbeziehungen interessiert? Oder triffst du manchmal den falschen Ton und es tut dir im Nachhinein Leid? Dann macht dich das also nicht „toxisch“, sondern einfach nur ab und zu etwas fehlbar. Meistens kannst du das mit einer Entschuldigung wieder grade biegen. (lese hierzu mehr in unserem Blog: Sorry ich habe Mist gebaut).
Warum verhalten sich Führungskräfte „toxisch“?
Oftmals wird „toxischen“ Führungskräften einen schlechten Grundcharakter oder gar eine narzisstische Störung diagnostiziert. Doch meist ist es nicht pure Bösartigkeit, die Führungskräfte dazu bringen, sich unangemessen zu verhalten. Einen übervollen Kalender, unerreichbare Ziele und persönliche Abwertungserfahrungen und zack – plötzlich verwechseln Führungskräfte ihren Schreibtisch mit dem Schlachtfeld und gehen in den Angriffsmodus über. So zeigen Studie z.B., dass zu wenig und schlechter Schlaf, dazu führen kann, dass Chef:innen sich eher unanständig Verhalten und z.B. öfters mal rumschreien. Also heut mal lieber wieder früher Schlafen gehen ;-).
Wie kannst du „toxisches“ Verhalten vermeiden?
Neben einem guten Energiemanagement (lese hierzu auch, wie du dich gesund halten kannst), ist der Abgleich des Eigen- und Fremdbilds der Schlüssel. Reflektiere regemässig, wie dein Verhalten bei deinem Team ankommt. Hol dir ehrliches Feedback von deinen Mitarbeitenden oder Peers, insbesondere wenn du das Gefühl hast, deine Mitarbeitenden bringen sich nicht mehr so proaktiv ein, wie gewohnt. Falls dich etwas sehr ärgert, dann schlafe nochmals eine Nacht (mit genügen Schlaf) über mögliche Handlungsalternativen, um falsche Reaktionen im Affekt zu vermeiden. Beobachtest du systematische Verhaltensmuster bei dir oder deinem Team, die dir nicht gefallen, kann es – neben einem klärenden Gespräch – auch sinnvoll sein, Coaching in Anspruch zu nehmen.
“Toxisches” Verhalten ist oft eine Kulturfrage
Toxische Führungskräfte finden sich allerdings häufig in Unternehmen, in denen die Unternehmenskultur insgesamt in einer Schieflage ist. Dann richtet sich das toxische Verhalten nicht nur von Führungskräfte an Mitarbeitende, sondern auch umgekehrt. Alle giften sich gegenseitig an, keiner traut dem anderen, man vergeltet Gleiches mit Gleichem. Da wäre also nachhaltige Kulturarbeit gefragt. Wenn die kulturelle Transformation (im Alleingang) deine Passion ist, dann nur zu. Andernfalls setzte für dich persönliche Grenzen und frage dich, inwiefern du an einem Ort bist, welcher dir erlaubt, die Führungskraft zu sein, die du willst.
Die gute Nachricht zu letzt: Wenn du bis hierhin gelesen hast und wissen willst, ob du allenfalls toxisch bist und wie du toxisches Verhalten verhindern kannst, dann entspann dich – die wirklich toxischen Zeitgenoss:innen stellen sich diese Frage eher selten ;-).
In diesem Sinne: Viel Erfolg und bleib auf dem Weg zu einer gesunden, motivierenden Führung!
Quellen:
- Barnes, C. M., Lucianetti, L., Bhave, D. P., & Christian, M. S. (2015). “You wouldn’t like me when I’m sleepy”: Leaders’ sleep, daily abusive supervision, and work unit engagement. Academy of Management Journal, 58(5), 1419-1437. https://doi.org/10.5465/amj.2013.1063
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- Fischer, T., Tian, A. W., Lee, A., & Hughes, D. J. (2021). Abusive supervision: A systematic review and fundamental rethink. The Leadership Quarterly, 32, 101540. https://doi.org/10.1016/j.leaqua.2021.101540
- Matos, K., O’Neill, O., & Lei, X. (2018). Toxic Leadership and the Masculinity Contest Culture: How «Win or Die» Cultures Breed Abusive Leaders. Journal of Social Issues, 74(3), 528-550. https://doi.org/10.1111/josi.12284
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- Tepper, B. J., Simon, L., & Park, H. M. (2017). Abusive Supervision. Annual Review of Organizational Psychology and Organizational Behavior, 4, 123–152. https://doi.org/10.1146/annurev-orgpsych-041015-062539
