Knowledge Hiding verstehen
Es ist frustrierend zu merken, dass jemand absichtlich Informationen zurückhält, die für die Arbeit benötigt werden. Warum tun Mitarbeitende das und welche Ausreden benutzen sie? Erfahre hier mehr über «Knowledge Hiding» oder zu Deutsch «Wissen verbergen».
Drei genutzte Strategien zum Wissenverbergen
In der heutigen Arbeitswelt, funktionieren Organisationen praktisch nicht mehr ohne menschliche Zusammenarbeit und dem Teilen von Wissen. Verbergen Menschen in der Zusammenarbeit Wissen, ist das weder zwischenmenschlich förderlich noch produktiv.
Wenn wir über Wissenverbergen sprechen, meinen wir dabei das absichtliche Zurückhalten von Informationen, deren Offenlegung angemessen wäre. Dies ist eine Taktik, die leider oft schwer zu entlarven ist.
Du solltest aufhorchen, wenn du das Gefühl hast, dass jemand immer wieder ausweicht, obwohl die Person das benötigte Wissen haben sollte bzw. für den Wissensbereich zuständig ist. Dabei kommen insbesondere folgende Strategien zur Anwendung.
- Dummstellen: Personen geben vor, keine Ahnung zu haben und behaupten, nicht die richtige Ansprechperson zu sein.
- Rechtfertigen: Personen schieben explizit Vorwände vor, um das Wissen nicht zu teilen. Sie argumentieren zum Beispiel mit Vertraulichkeit, obwohl die erfragte Information nicht schützenswert ist.
- Ausweichen: Personen wollen helfen, aber oops… Die angefragte Person wirkt hilfsbereit, aber die versprochene E-Mail mit den Informationen wird vergessen, ist unkonkret oder sogar falsch.
Weshalb verbergen Mitarbeitende Wissen?
Bevor du glaubst, von Bösewicht*innen umgeben zu sein: Eine verdorbene Persönlichkeit ist meist nicht der Grund, warum Menschen Wissen verbergen. Drei mögliche Gründe könnten sein (Mobbing ausgenommen, in diesem Fall findest du hier Unterstützung: https://www.fachstelle-mobbing.ch).
Grund 1: Überforderung und Gleichgültigkeit
Ein nahe liegender Grund: Die Personen, die Wissen verbirgt, hat gerade viel zu tun. Sie wollen sich also weitere unliebsame Arbeit vom Leib halten. Sie erkennen möglicherweise nicht, welchen Mehrwert die Information für dich haben könnte. Oder könnte es allenfalls sein, dass du den Ruf hast, viel und alles zu fragen? Dann machen die Leute schon vor deiner Frage dicht.
Gegen geschlossene Türen zu rennen, lässt sich in dem Falle vermeiden, indem Anfragen möglichst präzise und kurz gehalten und begründet werden. Schreibe idealerweise mit oder halte Wissen, dass für alle relevant ist, in einem allgemein zugänglichen Dokument fest, damit nicht immer wieder dieselbe Person mit denselben Fragen gelöchert wird.
Grund 2: Angst und Unsicherheit
Manchmal halten Menschen Wissen zurück, weil sie sich nicht kompetent genug fühlen und/oder Angst haben, kritisiert zu werden. Insbesondere in Zeiten, in denen Personen um ihren Job oder Status fürchten, wird Wissen aktiv nicht weitergegeben, um sich unentbehrlich zu machen. Ein ebenfalls häufiger Grund, weshalb Menschen wissen zurückhalten: Sie wollen die Arbeitskolleg*innen nicht anschwärzen.
Um solchen Ängsten und Unsicherheiten entgegenzuwirken, lohnt es sich, in psychologischer Sicherheit zu investieren, also eine Kultur, in der offen und wertschätzend kommuniziert wird und Fehler als Chance zum Lernen angesehen werden (Lese hier mehr zu Stolperfallen bei der Etablierung von psychologischer Sicherheit). Manchmal ist auch ein Wechsel des Mediums sinnvoll, z. B. fühlen sich einige Mitarbeitende sicherer, wenn sie eine Zeit lang über eine Frage nachdenken und dann schriftlich Stellung nehmen können, anstatt ad-hoc im Plenum zu antworten.
Grund 3: Ärger und Neid
Manchmal ist es auch etwas Persönliches und Menschen halten Wissen zurück, um «Gerechtigkeit» herzustellen. Wenn Mitarbeitende bei Beförderungen übergangen wurden oder erfahren, dass ihre Kolleg*innen mehr verdienen, könnten sie sich sagen: «Jetzt sollen die anderen ohne meine Hilfe klarkommen.» Vielleicht möchte sich die Person aber auch rächen, weil du – aus ihrer Sicht – in letzter Zeit wesentliche Informationen nicht zeitgerecht weitergegeben hast.
Ärger und Neid zu entlarven ist manchmal schwierig. Generell lässt sich jedoch sagen, dass Wissensverbergen aus Ärger und Neid in Systemen häufiger vorkommt, die Wettbewerb fördern, sei es durch individuelle Boni, Beförderungsrunden usw. Als Führungskraft solltest du daher ein besonderes Gespür für implizite Versprechen entwickeln: Wer wartet z.B. schon länger auf eine Beförderung und hat dafür massiv Überstunden gemacht? Weiter kannst du auf einen offenen Dialog setzten, sowie darauf Entscheidungen, bei dem jemand anders behandelt oder bevorzug wird, klar und nachvollziehbar zu kommunizieren.
Hoffentlich konnten wir dich für das Thema «Wissenverbergen» sensibilisieren. Wir würden dir gerne an dieser Stelle den ultimativen Geheimtipp geben, wie man Wissensverberger*innen sofort entlarvt und das benötigte Wissen absaugen kann, aber leider ist er geheim ;-).
Quellen:
- Connelly, C. E., Zweig, D., Webster, J., & Trougakos, J. P. (2012). Knowledge hiding in organizations. Journal of organizational behavior, 33(1), 64-88. https://doi.org/10.1002/job.737
- He, P., Jiang, C., Xu, Z., & Shen, C. (2021). Knowledge hiding: current research status and future research directions. Frontiers in Psychology, 12, 748237. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2021.748237
- Skerlavaj, M., Cerne, M., & Batistič, S. (2023). Knowledge hiding in organizations: Meta-analysis 10 Years Later. Economic and Business Review for Central and South-Eastern Europe, 25(2), 79-102. https://doi.org/10.15458/2335-4216.1319
Anand, A., Offergelt, F., & Anand, P. (2022). Knowledge hiding–a systematic review and research agenda. Journal of Knowledge Management, 26(6), 1438-1457. https://doi.org/10.1108/JKM-04-2021-0336
