Beziehung zu neuen Mitarbeitern nachhaltig gestalten
Von Beziehungen wissen wir: Am Anfang ist alles aufregend und neu – die bekannte Wolke sieben. Doch dann kann es kompliziert werden, und es kommt vielleicht sogar zur Trennung. Der frühe Weggang von Mitarbeitenden ist nicht so selten. Erfahre daher hier, wie du deine Beziehungen zu neuen Mitarbeitenden nachhaltig zum Fliegen bringst.
Die Zahlen sprechen für sich
Verlassen Mitarbeitende ihren Job innerhalb eines Jahres nach dem Stellenantritt, spricht man von Früh-Fluktuation. Schätzungen gehen davon aus, dass jede fünfte bis sechste Kündigung sich als Früh-Fluktuation einordnen lässt. Die Kosten, Mitarbeitende zu ersetzen, können bei Schlüsselpositionen, gemäss einer Studie von Deloitte, bis zu 2 Mal das Jahressalär betragen. Es lohnt sich also, Früh-Fluktuation zu vermeiden.
Ernüchterung als Ursache
Genau wie in Beziehungen betrachten deine neuen Mitarbeitenden alles durch die rosarote Brille. Und dann kommt irgendwann die Ernüchterung. Anfängliche Erwartungen werden enttäuscht. Die Kund*innen sind doch auch mal nervig, die Teamkolleg*innen erzählen immer die gleichen Witze, und der gratis Kaffee ist unterirdisch. Dieses Phänomen der Ernüchterung kennt man unter dem Namen „Honeymoon-Hangover-Effekt“ (also den Kater nach den Flitterwochen). Wenn man dann merkt, dass man im Alltagstest doch nicht zusammenpasst und es „unüberwindbare Differenzen“ gibt, kommt es zur Kündigung.
Der Ernüchterung entgegenwirken
Willst du also deine Mitarbeitenden nachhaltig an dich binden, hast du einige präventive Mittel, um der Ernüchterung entgegenzuwirken. Diese sind:
- Kommuniziere realistisch: Klar, auch du als Führungskraft möchtest beim Job Interview punkten und dich gut darstellen. Den Job und sich selbst etwas ins rechte Licht zu rücken, ist okay, aber schau, dass du authentisch und realistisch bleibst. Male nicht zu rosarot.
- Wähle vorsichtig: Wisse genau, wen du suchst und weshalb und suche entsprechend (kopiere also nicht einfach eine Stellenanzeige). Prüfe mögliche neue Mitarbeitende nicht nur darauf, ob sie fachlich passen, sondern auch persönlich. Fachliches kann man nötigenfalls nachholen.
- Gib dir Mühe bei der Einführung: Die neue Person ist da, für den Job in eine neue Stadt gezogen, und du und die Teamkolleg*innen sind schon am ersten Tag zu beschäftigt, um sie herumzuführen. Das macht nicht so wirklich eine gute Falle. Stelle also mittels sorgfältig geplanter Einführung sicher, dass neue Mitarbeitende sich schnell zu Recht finden und integriert fühlen.
Bist du dir bezüglich einer dieser Punkte unsicher, dann hole dir Hilfe von HR-Profis mit entsprechendem Know-how – wie gesagt es lohnt sich (nicht nur finanziell). Rekrutierung und Selektion sind für viele Tagesgeschäft.
Auseinandergehen ist auch eine Kunst
Trotz dieser Massnahmen gilt in der Welt der Arbeit dasselbe wie in der Liebe: Manchmal passt es einfach nicht, und das ist okay. Nutze die Gelegenheit des Austrittsgesprächs, um ein ehrliches Feedback einzuholen. Überlege dir auch, wie du und deine Mitarbeitenden im Guten auseinander gehen können und du den Kontakt allenfalls weiter pflegen kannst. Vielleicht kündigt eine Person ja wegen eines Umzugs in eine neue Stadt. Wer weiss, ob sie vielleicht super qualifizierte Bekannte hat, welche eventuell auch spannende Kandidat:innen für die gerade freigewordene Stelle wären?
Auch wenn sich eine Trennung nicht immer vermeiden lässt, in einen guten Start zu investieren lohnt sich allemal. Denn wir alle wollen Beziehungen, die länger halten als der Honeymoon.
Quellen:
Boswell, W. R., Shipp, A. J., Payne, S. C., & Culbertson, S. S. (2009). Changes in newcomer job satisfaction over time: Examining the pattern of honeymoons and hangovers. Journal of Applied Psychology, 94(4), 844–858. https://doi.org/10.1037/a0014975
Bundesamt für Statisik (2023). Dauer der Betriebszugehörigkeit (Datensatz). https://www.bfs.admin.ch/asset/de/je-d-03.02.01.24
Deloitte Österreich (2019). Fluktuation und deren Auswirkungen im Unternehmen. https://www2.deloitte.com/content/dam/Deloitte/at/Documents/consulting/at-deloitte-fluktuationsstudie-2019.pdf
Earnest, D. R., Allen, D. G., & Landis, R. S. (2011). Mechanisms linking realistic job previews with turnover: A meta‐analytic path analysis. Personnel Psychology, 64(4), 865-897. https://doi.org/10.1111/j.1744-6570.2011.01230.x
